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Film-Nr.: 18514
Genre: Drama
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Genre: Toptitel Genre: Crime Genre: Literatur Genre: Literaturverfilmungen |
DER FREMDEL'ÉTRANGER (Originaltitel)THE STRANGER (Alternativtitel)Frankreich - 2025 DVD - Code 2 - PAL Regie: François OzonDarsteller: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud, Christophe Malavoy Drehbuch: François Ozon, Philippe Piazzo, Albert Camus Sprache: Deutsch, Französisch Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte Laufzeit: 118 Min. Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre Bildformat: 1.66:1 Tonformat: Dolby Digital 5.1 Features: Trailer Die superbsten Sequenzen dieses Schwarzweißfilms korrespondieren vergleichbar filmfotografischen Kompositionen aus Klassikern der Dreißigerjahre. Algerien 1938. Im Kino läuft die Komödie LE SCHPOUNTZ mit Fernandel in der Hauptrolle. Arthur Meursault küsst während der Vorführung seine Freundin Marie, die er nur einen Tag nach der Beerdigung seiner Mutter kennengelernt hat. Später vor Gericht, nach den tödlichen Schüssen auf einen jungen Algerier, wird ihm das als Pietätslosigkeit vorgeworfen werden, Empathielosigkeit, Gefühlskälte. »Der Fremde«, veröffentlicht 1942, ist Albert Camus' bekanntestes Werk, zugleich ein Klassiker der existentialistischen Literatur. 1967 Verfilmung von Luchino Visconti. In der Hauptrolle Marcello Mastroianni. Die unterschiedliche Perspektivierung beider Verfilmungen ist eklatant. Mastroianni spielt Meursault als einen Mann, dessen Entfremdung von seinen Mitmenschen in einer Art Gleichgültigkeit aus existentieller Erschöpfung gründet. Ganz anders bei François Ozon. Sein Meursault, verkörpert von Benjamin Voisin, ist kühler Beobachter, distanziert, zumeist ennuyiert, gelegentlich interessiert. Und das in schweißtreibender Sommerhitze, mit der er wie alle anderen zu kämpfen hat. Dieser Meursault entspricht dem, was Helmut Lethen in seinem 1994 erschienenen Klassiker »Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen« abgesteckt hat. Es geht um das Ideal eines kontra-emphatischen Habitus, quasi Friedrich Nietzsches Formel »Pathos der Distanz« heruntergekühlt bis fast zum Gefrierpunkt. Lethen folgt darin »Männerphantasien« (1977/1978) von Klaus Theweleit. Ozons Film wirkt, als sei er von Lethen inspiriert worden. Sein Algerien betont den Kolonialstatus des Landes. Meursault ist gebürtiger Franzose, ein junger Mann in Zeiten des Faschismus, dem er sich halb anverwandelt hat. So kann man den Film interpretieren, muss es aber nicht. Denn Ozon wahrt genau jene Offenheitsstruktur, die Bild und Bedeutung in der Schwebe hält. (RD) |