DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE
Film-Nr.: 18510
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Genre: Komödie
Genre: Romanze
Genre: Toptitel
Genre: Tragikomödie
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DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE (Originaltitel)

Deutschland - 2025

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Wolfgang Becker
Darsteller: Charly Hübner, Christiane Paul, Leon Ullrich, Leonie Benesch, Daniel Brühl, Jürgen Vogel
Drehbuch: Wolfgang Becker, Constantin Lieb, Maxim Leo

Sprache: Deutsch
Untertitel: Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 109 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 6 Jahre
Bildformat: 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Interviews; Premierenclip; Trailer

Die Kinopremiere erlebte er nicht mehr. Wolfgang Becker wurde siebzig Jahre alt. Sein größter Erfolg war GOOD BYE, LENIN! (2003). Sein nun leider letzter Film spielt dreißig Jahre nach dem Mauerfall. Der Gedenktag nähert sich. Es braucht eine bisher kaum bekannte Geschichte über Republikflucht, befindet der Chefredakteur des Wochenmagazins »Fakt«. In den Akten gräbt Journalist Landmann denn auch eine aus, die zu passen scheint. Im Juni 1984 fährt eine Ostberliner-S-Bahn mit 127 Passagieren in den Westteil der Stadt. Verantwortlich dafür der damalige Stellwerkmeister Hartung. Ein fiktives Ereignis übrigens. Hartung betreibt eine überschuldete Videothek im Prenzlauer Berg, wo Landmann ihn aufsucht und zu dem Ereignis interviewt. Hartung bestreitet seine Rolle als Fluchthelfer, sagt, ihm sei eine manuell technische Panne unterlaufen. Landmann hält dagegen, Fakt sei, die Passagiere sind in den Westen gelangt. Dieses windige Argument plus harte Währung in Form eines Geldbündels überzeugt Hartung. Die Vermarktung nimmt ihren Verlauf: Auftritt in Talk-Shows, Einweihung einer Gedenktafel, Buch in Arbeit, Verfilmung geplant, Einladung zur Festrede im Bundestag. Der Film beruht auf der Romanvorlage (2022) von Maxim Leo. Charly Hübner im Bademantel mit Schlafmaske auf der Stirn hat seine Rolle nach der Hauptfigur in THE BIG LEBOWSKI (1998) ausgerichtet, den Dude. Leon Ullrichs Landmann tritt als Mischung aus Winkeljournalismus, Servilität und Karrierismus auf, ein schmierkäsiger Wicht, der zum Hochstapeln ermuntert, um selbst aufzusteigen, kurz, eine parasitäre Existenz. Höchstwahrscheinlich dachte Leo beim Schreiben des Romans an den Fall Claas Relotius, den Erfolgsjournalisten des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel«. 2018 machte ein Kollege von ihm publik, dass Reportagen und Interviews von Relotius in weiten Teilen fiktiv sind, geschrieben im Sound von »Sagen, was ist«, wie der Begründer des Magazins Rudolf Augstein die Aufgabe von Journalismus pointiert benannt hatte. Sagen, was Publikum und Pressekollegen gerne hören und lesen, das ist, was Relotius geschrieben hat. Genau in dem Sinne gehen auch Landmann und sein Chefredakteur vor. Buch und Film rechnen satirisch mit jener westlich geprägten, eindimensionalen Perspektivierung auf die DDR ab, die von Teilen der Medienlandschaft eingenommen wurde und eingenommen wird. (RD)