IM SCHATTEN DES ORANGENBAUMS
Film-Nr.: 18478
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Genre: Drama
Genre: World Cinema
Genre: Historie / Kostüm
Genre: Toptitel
Genre: Familie
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IM SCHATTEN DES ORANGENBAUMS

ALLLY BAQI MINK (Originaltitel)

ALL THAT'S LEFT OF YOU (Alternativtitel)

Palästina, Ägypten - 2025

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Cherien Dabis
Darsteller: Cherien Dabis, Mohammad Bakri, Saleh Bakri, Adam Bakri, Maria Zreik, Hayat Abu Samra
Drehbuch: Cherien Dabis

Sprache: Deutsch, Arabisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 141 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre
Bildformat: 2.39:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Interview

1988, Westjordanland. Noor und sein Freund, zwei Jugendliche, schließen sich einer aufgeheizten Demonstration gegen Israel an. Noor wird durch eine Gewehrkugel lebensgefährlich verletzt. Seine Mutter, gespielt von Cherien Dabis, der Regisseurin, erzählt in der Folge die Geschichte ihrer Familie und wie es dazu kam, dass ihr Sohn sich den Demonstranten angeschlossen hat. Sie beginnt mit Noors Großvater als jungem Familienvater in Jaffa 1948. Die Familie ist wohlhabend, pflegt westlichen Lebensstil. Innerhalb weniger Wochen verlieren sie nahezu alles infolge des Krieges. Ihr Schicksal ist das von Flucht und Vertreibung. Der arabisch-israelische Krieg 1947-1949 wird aus israelischer Sicht »Israelischer Unabhängigkeitskrieg« genannt, aus Sicht der Palästinenser »Nakba«, was auf Deutsch Katastrophe bedeutet. Dabis, gebürtige US-Amerikanerin mit palästinensischen Wurzeln, erzählt parteiisch. Ihre Perspektive ist die der Zivilisten, der Opfer, die trotz Enteignung und Entrechtung ihren Stolz bewahren. Nun hat jede Medaille zwei Seiten, ein Würfel sechs und das, was historisch verschlagwortet ist, mehr Seiten als die Bibel. Letzteres zu berücksichtigen kann weder von einem Film noch einem Roman verlangt werden. Ersteres schon. Clint Eastwood ist dies mit einem einzigartigen Projekt beeindruckend gelungen. Er hat zwei Filme über dasselbe Geschehnis gedreht, über die für beide Parteien verlustreiche Schlacht um die Insel Iwo Jima 1945 im Pazifikkrieg: FLAGS OF OUR FATHERS (2006) und LETTERS FROM IWO JIMA (2006). Cherien Dabis hingegen hat nicht nur einen einseitigen Film gedreht. Ihr Film bedient das Narrativ von Israel als Kolonialstaat mit Apartheidpolitik. Kein Wort über den komplizierten, international rechtlichen Rahmen der Gründung des Staates Israel. Die britische Fahne wird eingeholt, die israelische gehisst. Besatzungswechsel. Einzelne kurze Sequenzen suggerieren eine Parallelität zur Shoa. Und in einer Schlüsselszene sind die israelischen Soldaten als Soldateska inszeniert, die ihre Zufallsopfer einschüchtert und demütigt. Ein Film der Versöhnung, wie die Regisseurin ihn verstanden wissen möchte, ist das nicht. Es ist ein antizionistischer, antiisraelischer Film mit plakativ moralisch überhöhten Hauptfiguren. Eine Einschätzung, die mit ausführlicherer Begründung auch von anderen Kritikern geteilt wird. (RD)