FALLENDE BLÄTTER
Film-Nr.: 18022
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Genre: Komödie
Genre: Romanze
Genre: Toptitel
Genre: Tragikomödie
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FALLENDE BLÄTTER

KUOLLEET LEHDET (Originaltitel)

FALLEN LEAVES (Alternativtitel)

Deutschland, Finnland - 2023

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Aki Kaurismäki
Darsteller: Alma Pöysti, Jussi Vatanen, Alina Tomnikov, Sakari Kuosmanen, Martti Suosalo, Janne Hyytiäinen
Drehbuch: Aki Kaurismäki

Sprache: Deutsch, Finnisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 78 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre
Bildformat: 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1
Features: Hörfilmfassung; Interview mit Alma Pöysti und Jussi Vatanen

Dass in einer Karaoke-Bar in Helsinki jemand Schuberts Ständchen in Moll »Leise flehen meine Lieder« singt, ist vorstellbar nur bei Aki Kaurismäki. Der Film setzt thematisch, narrativ und stilistisch die vom Regisseur lange Zeit als abgeschlossen betrachtete Proletarische Trilogie fort: SCHATTEN IM PARADIES (1986), ARIEL (1988) und DAS MÄDCHEN IN DER STREICHHOLZFABRIK (1989). Vor wenigen Jahren wurde durch den amerikanischen Kulturanthropologen David Graeber der Begriff Bullshit-Jobs bekannt. Im Unterschied zur Bezeichnung von Jobs als prekären geht der Begriff über Niedriglohn, Zeitverträge und unzureichend soziale Sicherung hinaus. Bullshit-Jobs sind weitgehend nutzlose, sinnfreie Tätigkeiten, die von denen, die sie ausüben müssen, auch genauso erlebt werden. Es sind Jedermannstätigkeiten jenseits von Anerkennung, damit dem Selbstwertgefühl wenig zuträglich. Bullshit-Jobs markieren die Arbeitswelt der Figuren von Kaurismäki. Ein Wachmann auf nächtlichem Rundgang wie in LICHTER DER VORSTADT (2006) oder eine Regalbetreuerin im Supermarkt, Ansa, eine der beiden Hauptfiguren in diesem Film. Sie steckt ein abgelaufenes Sandwich ein, statt es im Container zu entsorgen, woraufhin sie, vom Ladendetektiv überführt, fristlos entlassen wird. Ein Job als Tellerwäscherin folgt. Holappa arbeitet in einer Metallfabrik, verunfallt und wird, da alkoholisiert, gekündigt. Ansa und Holappa, beide in mittleren Jahren, begegnen einander in einer Karaoke-Bar. Und irgendwann schauen sie gemeinsam im Kino einen Film, THE DEAD DON'T DIE (2019) von Jim Jarmusch. Es ist eine Reverenz an den Kinosaal sowie an den nur wenige Jahre älteren Kollegen, der auf andere Art ebenfalls eine ganz eigene, unverwechselbare Welt erschaffen hat. Die Wohnungen, ihre Beleuchtung, ihr Mobiliar, die Kleidung der Figuren, die Bars, alles in FALLENDE BLÄTTER entspricht weitgehend jener poetischen Tristesse der früheren Filme. Osteuropäische Stadtlandschaft, idealtypische Sechzigerjahre, stehengeblieben in den Achtzigern. Außenräume als seelische Innenräume. Ansas schlichte Küche als erwartungsniedriges Warten. Hinweise, dass der Film in der Gegenwart spielt, sind sparsam gesetzt. Im Arbeitsamt wird ein Notebook zwecks Suche überreicht. Für kurz sind Nachrichten vom Krieg aus der Ukraine zu hören, allerdings aus Transistorradios. Die Dialoge sind vertraut lakonisch. Tangos und die Melancholie des finnischen Indie-Pop-Duos Maustetytöt (dt. Spice Girls) bestimmen die Musik. Ein großer, berührender Film. Herzkino. Hier passt diese Wortschöpfung tatsächlich. (RD)