IN EINEM LAND, DAS ES NICHT MEHR GIBT
Film-Nr.: 17789
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Genre: Drama
Genre: Historie / Kostüm
Genre: Toptitel
Genre: Sozialdrama
Genre: Jugendfilme
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IN EINEM LAND, DAS ES NICHT MEHR GIBT

IN EINEM LAND , DAS ES NICHT MEHR GIBT (Originaltitel)

Deutschland - 2022

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Aelrun Goette
Darsteller: Marlene Burow, Sabin Tambrea, DAivd Schütter, Claudia Michelsen, Jördis Triebel, Bernd Hölscher
Drehbuch: Aelrun Goette

Sprache: Deutsch
Untertitel: Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 96 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre
Bildformat: 2.40:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Trailer; Interviews; Featurettes; Hörfilmfassung

Der Begriff Land ist weiter gefasst als der Begriff Staat, offener für historische, kulturelle, emotionale Zuschreibungen, für Ambiguität und Nuancen. Kein Film also über einen Staat, den es nicht mehr gibt, sondern über ein Land. DDR 1989, Sommer, Ost-Berlin, Schrebergarten. Eine Idylle im Sonnenlicht mit ausgelassenen Teenagern und einer Nachbarin, die verbotene Literatur zusteckt, Orwells »1984«. Der Besitz dieses Romanes wird Susanne zum Verhängnis, nachdem sie zuvor durch einen Friedenssticker die Aufmerksamkeit der Volkspolizei auf sich gezogen hat. Statt Abiturabschluss mit anschließendem Literaturstudium gibt es für die Achtzehnjährige Bewährung in der Produktion, in ihrem Fall in einem Kabelwerk. Das Unrecht ist offenkundig, ohne dramaturgisch zur Anklage gesteigert zu werden. Aelrun Goette interessieren vielmehr die Möglichkeiten des ungewollt neuen sozialen Umfelds. Susanne beobachtet, wird beobachtet, lernt Maschinen zu bedienen, Kolleginnen zu schätzen. Und dann wird sie auf dem Weg zur Arbeit zufällig fotografiert und als Model in die Redaktion von »Sybille« eingeladen, dem maßgebenden Modemagazin der DDR. Klingt konstruiert, basiert jedoch auf wahren Begebenheiten im Leben der Regisseurin und Autorin des Drehbuchs. Die Dominanz staatlicher Kontrollinstanzen und das Ressentiment ihrer Vertreter gegenüber Homosexuellen werden nicht beschönigt. Aber der Film zeigt eben auch Spielräume der Subversion und Solidarität, die es gegeben hat, in Ost-Berlin vermutlich mehr als in anderen Teilen der Republik. Das Atelier des Modemagazins und die Materialstätten des Kabelwerks, Nähtisch und Werkbank finden in der Folge zusammen. Es entsteht eine Kollektion im Stil von Vivienne Westwood und Jean Paul Gaultier, deren Präsentation alle an ihr Beteiligten vereint. Das Filmende, zeitlich wenige Monate vorm Fall der Mauer, ist ein Kippbild: utopischer Sozialismus bei heraufziehendem Kapitalismus oder kreativer Kapitalismus bei endendem Realsozialismus. Vergleichbar ambivalent erzählt aus einem Land, das es nicht mehr gibt, wurde zuletzt vielleicht in BARBARA (2012) von Christian Petzold. (RD)