IL TRADITORE
Film-Nr.: 17145
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Genre: Drama
Genre: Biopic (Portraits)
Genre: Gangsterfilme
Genre: Toptitel
Genre: Crime
Genre: Sozialdrama
Genre: Politik
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IL TRADITORE

IL TRADITORE (Originaltitel)

IL TRADITORE -ALS KRONZEUGE GEGEN DIE COSA NOSTRA
THE TRAITOR (Alternativtitel)

Frankreich, Italien - 2019

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Marco Bellocchio
Darsteller: Pierfrancesco Favino, Luigi Lo Cascio, Fausto Russo Alesi, Maria Fernanda Cândido, Fabrizio Ferracane, Nicola Calì
Drehbuch: Marco Bellocchio

Sprache: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 143 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre
Bildformat: 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Interviews; Kinotrailer

Sich den Mund zunähen... Bellocchios episch langes Mob-Drama folgt einem Cosa Nostra-Fußsoldaten zum Mafia-Whistleblower. Die Aussagen von Tommaso Buscetta führten zum größten Prozess in der Geschichte Italiens und zur Ermordung eines angesehenen Bundesrichters.
Die Prämisse des Films ist ehrgeizig und hätte eine interessanten Diskurs über die italienische Vergangenheit (und Gegenwart) werden können. Aber der Film funktioniert kaum. Bellocchio und seine Drehbuchautoren verwandeln den komplex-historischen Inhalt in eine seltsam unausgegorene Mischung aus Mafia-Krimi-Stereotypen und Gerichtsfilm, der wie ein absurdes Theater wirkt. Das Justizverfahren, die Beziehung von Informant und Richter, die extrem belastenden Aussagen, die politischen Hintergründe und die Strukturen der Cosa Nostra werden kaum angesprochen, alles bleibt im Vagen, wirkt oft nicht nachvollziehbar.
Auch visuell sieht der Film schrecklich in seiner digitalen TV-Kinematografie aus, erinnert dabei eher an eine Seifenoper. Hauptdarsteller Pierfrancesco Favino versucht Buscetta etwas Komplexität zu geben, wird aber vom Drehbuch zu oft alleine gelassen. Dass er sich für einen ehrenwerten Kerl hielt, aber schreckliche Dinge getan hat, ist psychologisch arg wenig. Seine toxische Männlichkeit wird kurz vor dem Ende für ein paar Minuten dekonstruiert, ebenso, dass die „alte“ Mafia mit ihren Werten „gut“ war, aber die Neue "böse" ist, weil sie mit Drogen dealt. Das ändert aber nix daran, dass die persönliche Tragödie um Reue, Verrat und Loyalität hier nicht berührt bzw. erfahrbar gemacht wird, der Film eher schwerfällig und unentschlossen vor sich hin plätschert. 4 persönliche Beleidigungen.
P.S.: Die deutsche Synchronisation ist furchtbar. Die guten Kritiken im bildungsbürgerlichen Feuilleton sind mir ein echtes Rätsel. (Oliver Pompejus)