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Film-Nr.: 18310
Genre: Drama
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Genre: Thriller Genre: Historie / Kostüm Genre: Top 10 der Traumathek 2025 |
SEPTEMBER 5SEPTEMBER 5 (Originaltitel)SEPTEMBER 5 - THE DAY TERROR WENT LIVE (Alternativtitel)Deutschland, USA - 2024 DVD - Code 2 - PAL Regie: Tim FehlbaumDarsteller: Peter Sarsgaard, John Magaro, Leonie Benesch, Ben Chaplin, Zinedine Soualem, Georgina Rich Drehbuch: Moritz Binder, Tim Fehlbaum, Alex David Sprache: Englisch, Deutsch Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte Laufzeit: 91 Min. Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre Bildformat: 2.39:1 Tonformat: Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1 Features: Making-Of; Diverse Featurettes; Kinotrailer »Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.« So der bedeutende, 1998 verstobenen Soziologen Niklas Luhmann. 1972 war die Bundesrepublik Deutschland zum zweiten Mal Gastgeber der Olympischen Sommerspiele, diesmal in München, nicht Berlin. Deutschlands erste Gastgeberschaft hatte 1936 im dritten Jahr des Nationalsozialismus stattgefunden. Der Selbstanspruch 1972 waren daher hochgespannt. Das Motto hieß »heitere Spiele«. Auf den Einsatz bewaffneter Polizisten wurde weitgehend verzichtet. München zeigte sich zivil. Dann kam der 5. September. In den frühen Morgenstunden überfallen palästinensische Terroristen das Quartier der Israelis zwecks Geiselnahme. Am Ende des Tages werden 17 Menschen tot sein, elf israelische Sportler, ein Polizist und fünf Terroristen. Tim Fehlbaum schildert den Tag aus Sicht der Journalisten und Techniker des US-Fernsehsenders American Broadcasting Company Sports, kurz, ABC Sports. Der Sender gibt die Berichterstattung nicht ab, wie von der politischen Redaktion gefordert, sondern stellt von Sport auf Politik um. Das Kammerspiel ist an Dramatik und Intensität vergleichbar mit MARGIN CALL (2011), J. C. Chandors fulminantem Film über den Crash einer Bank der Wall Street. Im Kern geht es um Medienethik in Anbetracht der Möglichkeit, ein Geschehen wie September 5 in Bild und Ton live zu begleiten, zu analysieren, zu kommentieren. Was ist Information, was Spekulation? Wo endet die Information, wo beginnt die Quote, heute der Clickbait? Was folgt aus der Beziehung von Filmenden und Gefilmten, die wissen, dass sie gefilmt werden, ergo die gebotene Bühne der Kamera nutzen, um sich und ihre Botschaft zu inszenieren? Fragen, die sich fünfzig Jahre danach in verschärfter Form stellen. Zugleich hat Fehlbaum einen Film über die damalige Modernität der analogen Fernsehtechnik gedreht. Frühere High-Tech wird respektvoll in Szene gesetzt. Das historische Geschehen selbst, der antisemitische Terrorakt September 5, wurde in der Erinnerungskultur reaktualisiert durch Oktober 7, das Massaker der Hamas an Israelis mit offiziell 1.182 Ermordeten. Tim Fehlbaum ist es überzeugend gelungen, politisch hohe Relevanz mit jener filmästhetischen Virtuosität zu vereinen, die bereits sein Spielfilmdebüt HELL (2011) auszeichnet. Diese Dystopie einer überhitzten Welt aus Wüstenstrichen, Wasserknappheit, Staubstürmen gehört visuell zweifellos zu einer der besten des Genres. Und wie Israel und sein Geheimdienst Mossad auf September 5 reagiert haben, davon erzählt in semi-fiktionalisierter Form MÜNCHEN (2005) von Steven Spielberg. (RD) |