DER ZEUGE
Film-Nr.: 17925
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Genre: Drama
Genre: Historie / Kostüm
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DER ZEUGE

DER ZEUGE (Originaltitel)

Deutschland - 2023

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Bernd Michael Lade
Darsteller: Bernd Michael Lade, Maria Simon, Katrin Schwingel, Torsten Spohn, Thomas Schuch, Jörg Seyer
Drehbuch: Bernd Michael Lade

Sprache: Englisch, Deutsch
Laufzeit: 93 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre
Bildformat: 2.35:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Interview mit Bernd Michael Lade

Ein Film gegen das Vergessen, das ist eine stehende Wendung, fest verknüpft mit Filmen über die NS-Verbrechen. Schwierig, wenn ein solcher Film schon kurze Zeit nach der Rezeption verblasst ist, vergessen fast, und bereits während er lief, die Aufmerksamkeit nicht zu binden vermochte. Am guten Willen des Rezipienten jedenfalls hat es nicht gelegen. Zur Sache: Carl Schrade verbrachte elf Jahre in Konzentrationslagern, in Lichtenburg, Sachsenhausen, Buchenwald, Flossenbürg. Eingeliefert wurde er mit dem handschriftlichen Vermerk BV für »Berufsverbrecher«, den er nach der Befreiung 1945 mutmaßlich eigenhändig in das Kürzel für »Schutzhäftling« änderte, die Kategorie für politisch Verfolgte. Schrade trat als Zeuge im Flossenbürg-Hauptprozess auf, der von Mitte 1946 bis Anfang Januar 1947 in Dachau stattfand. Wegen der gefälschten Haftkategorie stellte die Verteidigung Schrades Glaubwürdigkeit wiederholt infrage. Bernd Michael Lades Gerichtsfilm lässt Carl Schrade als Opfer des Unrechtsstaates Gerechtigkeit widerfahren und ihn erneut vor Gericht aussagen, basierend auf den Protokollen und Schrades Memoiren. Aus Respekt vor dem amerikanischen Gericht bittet Schrade, gespielt vom Regisseur, auf Englisch antworten zu dürfen. Zwei Dolmetscherinnen übersetzen für die Angeklagten ins Deutsche. Ein kluger Einfall, dieses Suchen nach den passend deutschen Worten für deutsche Verbrechen im KZ-Lagersystem. Es vergegenwärtigt das Ungeheuerliche, das sprachlos Machende. Die Angeklagten selbst zeigen sich weitgehend unbeeindruckt, berufen sich auf Befehlsnotstand, reden ihre damalige Macht klein. Die Regie ist reduktionistisch, die Bildästhetik erinnert an Fernsehdokumentarspiele der Sechziger Jahre. Es wird Schwarzweiß eingesetzt, Gesichter in Großaufnahme strukturieren die Inszenierung. Suchte man bei verwandtem Thema nach einem Film konträrer Umsetzung, böte sich DER VORLESER (2008) an, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bernhard Schlink. Hier episches Kino komplexer Gefühlslagen, dort Kammerspiel mit extrem flach gehaltener Dramaturgie. Dass Problem dabei: Durch ihre Reihung in der gerichtlichen Aussagenrede erzeugen selbst Foltermethoden und sadistische Taten irgendwann Monotonie. Der Regisseur hat quasi alles auf eine Karte gesetzt, auf Intensität – Intensität der Aussagen, Intensität der Gesichter. Innerhalb einer Sequenz lässt sich damit viel erzielen, nicht jedoch im Rahmen von neunzig Minuten. Da braucht es Dramaturgie wie in dem Gerichtsklassiker DIE ZWÖLF GESCHWORENEN (1957). (RD)