MADEMOISELLE
Film-Nr.: 17763
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Genre: Drama
Genre: Sozialdrama
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MADEMOISELLE

MADEMOISELLE (Originaltitel)

Frankreich, Grossbritannien - 1966

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Tony Richardson
Darsteller: Jeanne Moreau, Ettore Manni, Keith Skinner, Umberto Orsini, Georges Aubert, Jane Beretta
Drehbuch: Jean Genet, Marguerite Duras

Sprache: Englisch
Untertitel: Englisch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 104 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 15 Jahre
Bildformat: 2.35:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Features: Audiokommentar von Adrian Martin; Interview mit Keith Skinner; Bildergalerie; Trailer

Wow! Was für ein Film! Wow! Was für eine Hauptdarstellerin! Was für ein Anfang! Schwarzweiß, Stille, statische Kamera auf eine unbegrenzte Wasserfläche. Abblende. Statische Nahaufnahme auf ein Händepaar in schwarzen Spitzenhandschuhen, das eine Ratschenkurbel dreht. Dazu das laute Klacken der Mechanik. Schnitt. Statische Nahaufnahme auf Lackpumps, auf die Knöchelpartie, Nylons mit Naht. Leidenschaftlich stemmt sich das Paar Füße unter der Kraftanstrengung gegen die Holzbohlen. Schnitt. Bildmittig eine Frau in schwarzem Kostüm auf einem Stauwehr in ländlichem Raum, dazu das Plätschern von Wasser. Schnitt. Eine sonntägliche Prozession mit Gesang. Diese dramaturgisch subtile, filmfotografisch bestechende Exposition nimmt, wie sich im Rückblick zeigt, zentrale Motive vorweg. Mademoiselle, wie sie respektvoll genannt wird, Grundschullehrerin in einem Dorf, öffnet die Schleuse, so dass Höfe geflutet werden, Tiere zu ertrinken drohen. Hinter ihrer honorigen Fassade steckt ein Glutkern an sexuell aufgeladener Zerstörungslust gegenüber der Gemeinschaft und Lebendigem, den sie kalt berechnend auslebt. Im Vorübergehen zerquetscht sie die Vogeleier eines Bodennests, vergiftet eine Viehtränke. Im Dorf legt sie mehrere Brände, wobei sie durch ihr zustimmendes Schweigen Ressentiments gegen zwei Wanderarbeiter schürt, archetypisch viril ins Bild gesetzte Holzfäller. Die Liebesnacht mit einem von ihnen unter freiem Himmel leitet keine Wendung ins Versöhnte ein. Ganz im Gegenteil! Jeanne Moreaus minimalistisches Acting in Zusammenarbeit mit Tony Richardson, namhafter Regisseur des British New Wave, ist überragend, die von ihr verkörperte Figur Reise in ein finsteres Herz. Das Drehbuch stammt von Jean Genet, überarbeitet von Marguerite Duras. Kuriosität: Der Film erhielt den British Film Academy Award für die Besten Kostüme. Die einzige Auszeichnung! Nichts gegen die Kostüme, aber das muss man eine geradezu preiswürdige Verkennung nennen. Vergleiche verbieten sich bei diesem Ausnahmefilm. Daher ohne Vergleich die Empfehlung eines anderen Ausnahmefilms: DIE KLAVIERSPIELERIN (2001) mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle, Michael Hanekes Umsetzung des Romans von Elfriede Jelinek. (RD)