VIOLETTE
Film-Nr.: 14926
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Genre: Drama
Genre: Biopic (Portraits)
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VIOLETTE

VIOLETTE (Originaltitel)

Frankreich, Belgien - 2013

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Martin Provost
Darsteller: Emmanuelle Devos, Sandrine Kiberlain, Oliver Gourmet, Catherine Hiegel, Jacques Bonnafé, Olivier Py, Nathalie Richard, Stanley Weber
Drehbuch: Martin Provost, Marc Abdelnour, René de Ceccatty
Kamera: Yves Cape
Musik: Hugues Tabar-Nouval

Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 139 Min.
Bildformat: 1.85:1, 16:9
Tonformat: Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1
Features: Making Of, Bildergalerie

Szenen aus dem Leben der Schriftstellerin Violette Leduc, einer breiteren Öffentlichkeit durch ihre Autobiographie LA BÂTARDE (1964) bekanntgeworden, und vor allem eine Hommage an die schwierige Freundschaft zwischen Violette und Simone de Beauvoir, die spätestens mit ihrem Werk über die Frauen als dem 'anderen Geschlecht' (LE DEUXIÈME SEXE, 1949) zur Berühmtheit geworden war und ihre vielfältigen Kontakte zu linksintellektuellen Literatenkreisen nutzte, um der ungewöhnlich offen ihre Erfahrungen ausbreitenden unglücklichen Frau eine schreibende Existenz zu ermöglichen?
Ein ungewöhnlich stiller, konzentrierter, in sich gekehrter Film, der einen wachen Zuschauer erfordert; zwar ist die Erzählweise durchaus einfach gehalten und sehr einleuchtend - in mehreren Kapiteln werden entscheidende Begegnungen mit jenen Menschen vorgeführt, die Violette ein ums anderemal zum Schreiben ermuntern oder ihr als Mäzen behilflich sein möchten -, aber das bequem überschaubare Personal des Films ist so sehr Teil einer spezifisch französischen Literaturszene, daß sich bei weniger belesenen Zuschauern der unbefriedigende Eindruck einstellen mag, 'draußen' zu bleiben. Klar, Namen wie Sartre, de Beauvoir oder Jean Genet haben wohl auch Leute schon mal gehört, die noch nie eine Zeile der Genannten gelesen haben; aber gleich die Eröffnung mit Maurice Sachs - Fans von Godards Regiedebüt vielleicht als Verfasser eines ABRACADABRA geheißenen Romans in Erinnerung -, in Frankreich durchaus kein ganz Unbekannter, wird deutschen Filmeguckern nicht allzu viel sagen, ebensowenig Jacques Guérin vom Parfümhaus d'Orsay; in Frankreich klingende Namen von Verlegern wie Gallimard oder Grasset werden aufmerksamen Suhrkamp- und Hanser-Lesern vielleicht geläufig sein, vielleicht auch noch eine so renommierte Auszeichnung wie der Prix Goncourt, aber spätestens bei der internen Chronologie der Geschehnisse über beiläufig genannte Buchtitel - mal probt Genet seine ZOFEN (LES BONNES), mal hört man von der Vergabe des Goncourt-Preises an de Beauvoir für ihre MANDARINS usw. - steigen wohl die meisten aus?
Abhalten lassen sollte man sich davon aber nicht: Zum einen gelingt es der Ausstattung auf bewundernswerte Weise, ganz unaufdringlich eine Vergangenheit vor Augen zu stellen, die spürbar eine andere Zeit gewesen ist, wie überhaupt die Inszenierung sich sehr zurücknimmt, aber gleichwohl durch die fahlen, blassen Farben und die Lichtsetzung durchaus malerische Qualitäten gewinnt (meistens herrscht Halbschatten; nur die Provence, in die Violette sich zurückzieht, darf in der Sonne leuchten? ). Zum anderen sind da die Leistungen von Emmanuelle Devos als kindisch trotzige, sich rückhaltlos immer den Falschen an den Hals werfenden, tief vereinsamten Violette ("Je suis un désert qui monologue?": "Ich bin eine Wüste, die mit sich selber spricht?") und der wunderbaren Sandrine Kiberlain, die de Beauvoir als eine bei aller tatkräftigen Unterstützung und wohlwollender Sorge doch auch reservierte Bürgerliche zeigt, die verbindlich ist und unnahbar bleibt. Wunderschön auch der sehr bedacht gewählte Einsatz verschiedener Versionen von Arvo Pärts 'Fratres', die mit ihren gedankenversunkenen Streichermeditationen über langsamem Puls zur winterlich klaren Atmosphäre des bemerkenswerten Films beitragen? (Stefan Nottelmann)