THE PUMPKIN EATER
Film-Nr.: 14643
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Genre: Drama
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THE PUMPKIN EATER

PUMPKIN EATER (Originaltitel)

SCHLAFZIMMERSTREIT (Alternativtitel)

Grossbritannien - 1964

DVD - Code 0 - NTSC

Regie: Jack Clayton
Darsteller: Anne Bancroft, Peter Finch, James Mason, Cedric Hardwicke, Janine Gray
Drehbuch: Harold Pinter

Sprache: Englisch
Laufzeit: 110 Min.
Bildformat: 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 1.0

Jack Clayton ist als Regisseur sicherlich ein weniger geläufiger Name; daß er die erste Verfilmung von Scott Fitzgeralds GREAT GATSBY leitete, weiß man eigentlich erst, wenn man?s nachschlägt, und selbst sein Meisterwerk, THE INNOCENTS (1961) - ohne Frage einer der schönsten Horrorfilme der Sechziger - kennt man eher vom Titel her, als daß man es mit Claytons Namen verbinden würde. Seine nächste Regiearbeit THE PUMPKIN EATER ist trotz klangvoller Starbesetzung und der Erwartungen, die ein Harold Pinter-Drehbuch wecken könnte, so gut wie unbekannt - sehr zu Unrecht, wie man sagen muß: Bestechend gut photographiert, hervorragend gespielt - gerade die enorm facettenreiche Darstellung Anne Bancrofts lohnte für sich genommen das Anschauen -, ist der Film noch ungleich ambitiöser als sein Vorgänger. Die mäandernde Erzählung, immer wieder durch lange Rückblenden das Geschehen erläuternd und vertiefend, bleibt dabei ganz bei Jo Armitage (Bancroft), einer einstmals lebenslustigen, zur Fröhlichkeit aufgelegten Frau, die der Zuschauer aber als bereits depressiv verstimmte Gattin des smarten Drehbuchautoren Jake (Peter Finch) kennenlernt. Auf ihn scheint der etwas kryptische Titel gemünzt, einem achtzeiligen Kinderreim entnommen, der mit Zeilen wie "? had a wife ? [and] put her in a pumpkin shell" und "had another and didn't love her" das Ehedrama schon recht gut andeutet, das sich in quälender Langsamkeit entfaltet. Clayton scheint dabei, ähnlich wie Antonioni und dann auch Fellini vor ihm, die sozialkritischen Tendenzen des Neorealismus - in England seinerzeit durch die British New Wave eines Reisz, Richardson oder Anderson stärkstens präsent - ins gehobene Bürgertum hineintragen zu wollen und rückt damit - nicht zuletzt über die Schnittstelle Harold Pinter - an die psychologisch ausgefeilten Kammerspiele von Joseph Losey heran. Das faszinierende Ergebnis ist allerdings nicht ganz einheitlich geraten: Scheint Jo zunächst eine Figur wie aus einem Antonioni-Film mit Monica Vitti - ihre Neurose Knotenpunkt einer gesellschaftlichen Blockierung der Frau -, deutet das Ganze mehr und mehr auf den grimmigen Schlagabtausch in WHO'S AFRAID OF VIRGINIA WOOLF vor - wenngleich im Tonfall deutlich gedämpfter, ermatteter. Und auch inszenatorisch ist THE PUMPKIN EATER nicht aus einem Guß: Beobachtende Kameraführung wechselt gelegentlich nicht immer überzeugend in eine subjektive Wahrnehmung; die anfangs sich andeutende analytische Vorgehensweise wird sofort durch George Delerues musikalischen Trauerflor gekapert? Bei allem, was man einwenden könnte, aber dennoch eine äußerst interessante Wiederentdeckung! (Stefan Nottelmann)