THE BLING RING
Film-Nr.: 14515
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Genre: Drama
Genre: Crime
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THE BLING RING

THE BLING RING (Originaltitel)

Frankreich, USA, Grossbritannien - 2013

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Sofia Coppola
Darsteller: Katie Chang, Israel Broussard, Emma Watson, Claire Julien, Taissa Farmiga, Georgia Rock, Leslie Mann
Drehbuch: Sofia Coppola

Sprache: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 87 Min.
Bildformat: 1.85:1, anamorph
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Features: Making Of, diverse Featurettes, BIldergalerie, Trailer

Die Filmgazetten hatten schon im Vorfeld das jüngste Werk Sofia Coppolas über eine Clique Jugendlicher, die ihrem Starkult mit Raubzügen durch die Villen der ShowBiz-Celebrities den letzten Kick ins Abgedrehte gegeben haben (das Drehbuch beruht auf einem entsprechenden VANITY FAIR-Artikel), als Pendant zu SPRING BREAKERS von Harmony Korine erwartet; zu Recht, wie man nach Anschauen des Films sagen muß. Hier wie dort legt sich über den von jeglicher Normalität abgekoppelten Alltag der Protagonisten eine merkwürdig aufgekratzte Ferienstimmung, hier wie dort beherrscht das Gegenüber geradezu blendend hellen Tageslichts und nächtlicher Dunkelheit die Inszenierung - einer Dunkelheit freilich, in der das perfekte Lichtdesign in den Wohnungen der Reichen und Schönen um die unglaubliche Fülle der Kleiderschränke, Schuhregale und Schmuckschatullen den Schimmer von Schatztruhen und Reliquienschreinen legt oder (so schon in SPRING BREAKERS) durch coole Neonfarben den Gemächern Clubatmosphäre verleiht.
Auch musikalisch ist Coppola - schon immer mit exquisiten Soundtracks aufwartend - wieder am Puls der Zeit; neben Brian Reitzell, der ihr schon bei LOST IN TRANSLATION und MARIE ANTOINETTE in dieser Funktion zur Seite stand, hat sie Daniel Lopatin gewinnen können - Elektronik-Fans wohl eher unter seinem Moniker Oneohtrix Point Never bekannt -, den man getrost als einen der interessantesten Soundbastler der letzten Jahre bezeichnen darf. Wenig überraschend daher, daß die Partymucke der Teenager angesagte Rapper (Kanye West, Azealia Banks, Reema Major) und R&B-Hipster (Frank Ocean) zu bieten hat - auch einen Smasher hat man parat: was dem Korine sein Skrillex, ist der Coppola ihr Avicii ('Levels') -, die Tonspur ansonsten aber eher durch Ambientklänge bestimmt wird (u.a. Klaus Schulze, Can? ), welche dem Film einen verträumten, leicht abwesenden Touch geben.
Ob einem der Film gefällt, ist also sicherlich weniger eine Frage des handwerklichen Könnens aller Beteiligten (für Kamera-As Harris Savides sollte THE BLING RING seine letzte Arbeit werden) - auch schauspielerisch gibt es am Cast nichts auszusetzen; insbesondere Emma Watson sammelt nach THE PERKS OF BEING A WALLFLOWER weitere Pluspunkte - als der erzählerischen Dichte des Drehbuchs (das allerdings immer wieder mit köstlichen Zeilen aufwartet). Wer sich in den einmaligen Charme von LOST IN TRANSLATION verliebt und für die Zukunft Vergleichbares erwartet hatte, wird erneut enttäuscht sein: der mit jenem Film begonnene Versuch Coppolas, die sehr besondere Stimmungslandschaft von finanziell offenbar bestens gepolsterten Müßiggängern einzufangen, denen als Darstellern ihrer selbst jedes Gefühl von sich abhanden gekommen zu sein scheint - gerade der grotesk unterschätzte MARIE ANTOINETTE ist hier zu nennen -, hat am 'Bling Ring'-Grüppchen natürlich einen dankbaren Gegenstand gefunden, präsentiert sich aber bei aller Eleganz gewohnt handlungsarm und läßt zum erstenmal den Eindruck aufkommen, als begegnete selbst Coppola ihren Figuren mit wenig Sympathie? Ich mochte es; aber um es mit Darius James zu sagen: "YOU watch it!" (Stefan Nottelmann)