WITHNAIL AND I
Film-Nr.: 5618
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Genre: Komödie
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WITHNAIL AND I

Grossbritannien - 1986

VHS - PAL

Regie: Bruce Robinson

Sprache: Englisch

Vielleicht der beste, weil ehrlichste Film über das traurige Ende der Sechziger, ganz sicher aber der witzigste. Zwei arbeitslose Schauspieler, Withnail und (der im Film übrigens nie so benannte) Marwood, vegetieren in einer rattenverseuchten Bude vor sich hin, bis die kaputte Heizung und das Ende ihrer Alkoholvorräte sie auf die gloriose Idee bringen, sich das Landhaus von Withnails schwulem Onkel Monty (Richard Griffiths, THE HISTORY BOYS) zu angeln, ein Unterfangen, das weit schlimmere Konsequenzen nach sich zieht, als vor allem Marwood sich zunächst ausmalt. Der frühere Schauspieler, oscarprämierte Drehbuchautor (THE KILLING FIELDS) und Regisseur Robinson (JENNIFER EIGHT) verarbeitete mit WITHNAIL & I eigene Erlebnisse und schrieb die (unveröffentlichte) Romanvorlage in etwa zur selben Zeit wie Hunter S. Thompson sein FEAR & LOATHING IN LAS VEGAS, mit dem WITHNAIL & I vieles gemein hat, thematisch wie dialogisch. Denn es ist vor allem Robinsons genialer Wortwitz (?We went on holiday by mistake!?), der den Film fest im popkulturellen Bewusstsein der Briten verankert hat, so dass dieser bei Umfragen nach den besten Filmen regelmäßig auf einem der vorderen Plätze landet und mittlerweile auch ein feines Trinkspiel nach sich gezogen hat (bei dem parallel all das verköstigt wird, was auch die Helden des Films zu sich nehmen - nur das Feuerzeugbenzin darf man überspringen). Doch auch Withnail, sensationell verkörpert von (Abstinenzler!) Richard E. Grant, ist einfach ein Charakter, den man nicht mehr vergisst: gleichzeitig ein egoistisches Großmaul und größter Feigling aller Zeiten, äußerlich abgerissen, doch nie ohne adlig herablassenden Habitus, ist er ein steter Quell der Komik und dabei doch eine der tragischsten Gestalten der Filmgeschichte, wie nicht zuletzt sein großartiger Hamlet-Monolog am Ende offenbart. Um alle Lieblingsmomente aufzulisten, fehlt hier der Platz, aber einer sei zumindest erwähnt: Withnails Arroganz, als er in einem schrottreifen Wagen sturzbetrunken und ohne Führerschein von einem Polizeiwagen angehalten wird, den er gerade überholt hat, ist unbezahlbar! So wie Withnail ist übrigens auch Robinson, der Marwood des Films, über die Jahre immer wieder unter die Räder gekommen (unbedingt lesenswert: SMOKING IN BED, ein Interview-Buch mit ihm) nur dass nach einer kleinen Ewigkeit das Schicksal tatsächlich Gnade walten ließ: nach siebzehn Jahren Pause führt Robinson erstmals wieder Regie. Bei Hunter S. Thompsons THE RUM DIARY. Mit Johnny Depp.