DER SOMMER MIT ANAÏS
Film-Nr.: 17681
auf Facebook teilen
Genre: Komödie
Genre: Romanze
Genre: Tragikomödie
zurück

DER SOMMER MIT ANAÏS

LES AMOURS D'ANAÏS (Originaltitel)

Frankreich - 2021

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Charline Bourgeois-Tacquet
Darsteller: Anaïs Demoustier, Valeria Bruni Tedeschi, Denis Podalydès, Jean-Charles Clichet, Christophe Montenez, Xavier Guelfi
Drehbuch: Charline Bourgeois-Tacquet

Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 95 Min.
Altersfreigabe FSK: ab 12 Jahre
Bildformat: 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Interview; Kinotrailer

Die Idee des Manic Pixie Dream Girls ist ein Charakter-Archetyp, der 2005 erstmals von Nathan Rabin in Bezug auf Kirsten Dunsts Charakter in ELIZABETHTOWN benannt wurde. Das Manic Pixie Dream Girl ist jung, attraktiv, weiblich, trifft den männlichen Protagonisten in einer Zeit der Krise und hilft ihm, diese zu überwinden durch ihre exzentrische, kindliche Weltsicht und schiere Lebenslust. Das Manic Pixie Dream Girl ist ein unterentwickelter Charakter. Sie, ihre Probleme und Erkenntnisse existieren im Rahmen des Films ausschließlich als Mittel zum Zweck für den männlichen Protagonisten. Der Archetyp ist nicht neu, aber Nathan Rabin hat ihn erstmals benannt und damit eine Grundlage für die kritische Auseinandersetzung geliefert. Nach seinem Essay ging es für das Manic Pixie Dream Girl bergab. In Hollywood ist die Kritik längst angekommen, wurde in Filmen wie ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND und (500) DAYS OF SUMMER kritisiert und auseinandergenommen, und wer heutzutage noch Manic Pixie Dream Girls schreibt, wird in der Regel für seine Einfallslosigkeit belächelt. Wer aber diese Art von Charakteren vermisst, und sich insgeheim doch gerne sein Leben auf den Kopf stellen lassen würde von einer Scham-resistenten, attraktiven Frau, die zu diesem Zweck natürlich alles stehen und liegen lässt, muss nur nach Frankreich schauen. DER SOMMER MIT ANAIS verspricht anderthalb Stunden mit einem Manic Pixie Dream Girl als Protagonistin, aber das muss den geneigten Zuschauer nicht abschrecken: mehr charakterliche Tiefe oder Eigenständigkeit bekommt sie dadurch nicht. Neunzig Minuten lang taumelt Anais durch Paris und Umgebung, kaum in der Lage, sich selbst am Leben zu halten, aber immer bereit, den nächsten Menschen, den sie trifft, zum Protagonisten zu machen und dessen Leben aufzuwirbeln - besonders wenn dieser Mensch eigentlich zu alt für sie ist. Anais ist eine männliche Wunschvorstellung, der ich, wenn sie real wäre, dringend raten würde, in Therapie zu gehen, und sich möglicherweise einer ADHS-Diagnostik zu unterziehen. Aber glücklicherweise ist Anais nicht real, und der Zuschauer ist nicht gezwungen, sich darüber Gedanken zu machen, dass ihre Rastlosigkeit und Unfokussiertheit ihr wahrscheinlich ernsthafte, langfristige Probleme machen. Stattdessen kann man sich in der Fantasie einer hypersexuellen und hypersexualisierten Frau verlieren, die in knappen Sommerkleidern durch die sommerliche französische Landschaft hüpft. (Jana Hollstein)