FRANCES HA
Film-Nr.: 14502
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Genre: Komödie
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FRANCES HA

FRANCES HA (Originaltitel)

USA - 2012

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Noah Baumbach
Darsteller: Noah Baumbach, Greta Gerwig
Drehbuch: Greta Gerwig, Mickey Sumner, Adam Driver, Michael Esper, Michael Zegen

Sprache: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 82 Min.
Bildformat: anamorph, 16:9
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Trailer

Als vor einem Vierteljahrhundert METROPOLITAN von Whit Stillman herauskam, deutete sich schon an, daß Woody Allens bis dahin konkurrenzlos eigenwillige Komik einen würdigen Erben gefunden hatte, der es in Sachen versnobter Intellektualität, kauziger Figurenzeichnung und mitunter beißender Ironie mit dem Meister selbst aufnehmen konnte; und als Noah Baumbach Mitte der Neunziger mit KICKING AND SCREAMING die Szene betrat, war klar: hier hat sich ein weiterer Bruder im Geiste eingefunden - offenkundig belesen, mit erkennbarer Liebe fürs europäische, insbesondere französische Autorenkino und feinem Gespür für trocken-absurden Humor und rhetorische Brillianz. Wenig verwunderlich also - und sehr erfreulich -, die wunderbare Greta Gerwig, von hellsichtigen Zeitgenossen in Geheimtipp-Laune zur 'Königin des mumblecore' ausgerufen, nicht nur in Allens TO ROME WITH LOVE auftreten, sondern auch in Stillmans DAMSELS IN DISTRESS - und eben FRANCES HA ihren Zauber entfalten zu sehen, Baumbachs jüngstem Streifen, der diese Traditionslinie in bestechender Form fortsetzt (und vielleicht eine erste Summe zieht). Wie in so vielen Filmen der letzten Jahre siedelt er die titelgebende Hauptfigur im diffusen Zwischenreich von Slackertum und Prekariat an und zeigt sie in zahlreichen Entscheidungssituationen, die sie - ob ihre berufliche Karriere als Ensembletänzerin oder ihre langjährige WG-Mitbewohnerin und beste Freundin Sophie betroffen ist - geradezu regelmäßig vermasselt. Ähnlich versponnen und beschwingt wie die Figur der Violet in der liebenswürdig verschrobenen Fantasiewelt von DAMSELS IN DISTRESS, ist Baumbachs Frances doch in ein deutlich realistischer gehaltenes Umfeld hineingestellt, was dem komödiantischen Tonfall immer wieder bittere Untertöne beimischt, andererseits ein beglückendes Hochgefühl auslöst, wenn denn tatsächlich mal etwas zu klappen scheint?
Wie von Baumbach kaum anders zu erwarten, wartet auch dieser Film mit einer Fülle filmischer Verbeugungen auf, angefangen beim MANHATTAN-Schwarzweiß von Sam Levys ausgesprochen schöner Photographie über die Filmmusik-Anleihen bei Truffaut und Godard (und Frances macht denn auch eine Stippvisite in die Hauptstadt der Nouvelle Vague) bis hin zu jener herrlichen Szene zu Bowies 'Modern Love', die den wilden Lauf von Denis Lavant in Leos Carax' MAUVAIS SANG wiederholt? Auch mit der HBO-Serie GIRLS aus der Feder Lena Dunhams wurde FRANCES HA schon verglichen; deutsche Kritiker fühlten sich - und sehr zu Recht! - an OH BOY erinnert. Am interessantesten vielleicht der gelegentlich auftauchende Hinweis auf eine hierzulande unbekannte Indie-Perle aus dem Jahre 1978, Claudia Weills GIRLFRIENDS, den man auch deswegen dankbar aufgreifen kann, weil es in FRANCES HA in der Tat einmal nicht so sehr um irgendeine Romanze, sondern um eine enge Freundschaftsbeziehung geht? Es ist keine kleine Leistung, diesen kurzen Streifen nicht als eine einzige Zitatensammlung erscheinen, sondern spontan, leichthändig, unglaublich witzig daherkommen zu lassen - vor allem das Verdienst der unvergleichlichen Greta Gerwig, deren argloser Gesichtsausdruck noch die hanebüchensten Sätze mit köstlicher Selbstverständlichkeit versieht? Wärmstens ans Herz gelegt! (Stefan Nottelmann)