WIR
Film-Nr.: 16598
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Genre: Horror
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WIR

US (Originaltitel)

USA - 2019

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Jordan Peele
Darsteller: Lupita Nyong'o, Winston Duke, Elisabeth Moss, Tim Hedeicker, Shahadi Wright Joseph, Evan Alex
Drehbuch: Jordan Peele

Sprache: Englisch, Deutsch, Spanisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Türkisch, Griechisch, Portugisisch
Laufzeit: 111 Min.
Bildformat: anamorph, 2.39:1
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Unveröffentlichte Szenen; diverse Featurettes

Goldene Scheren und blutrote Overalls.
Das Regiedebüt „Get Out“ von Jordan Peele ist eine clevere Gruselsatire, die Alltags-Rassismus und Rassenaneignung brillant einfängt. Mit „Us“ will der Filmemacher noch weiter gehen. Der erzählerische Fokus liegt nicht mehr (ausschließlich) auf „schwarze“ Identitäten, sondern folgt dem Konzept des bösen Zwillings als Ausdruck für verdrängte Ängste in der US (!) amerikanischen Gesellschaft, erzählt als eine Mixtur aus Home-Invasion-Verschwörung und apokalyptischer Zombiefilm.
Das Doppelgänger-Thema ist eine Metapher für einen blutigen Klassenkampf rund um Privilegierte und Enteignete. Der (nicht nur schwarze) Mittelstand hinterfragt seinen bürgerlichen Wohlstand nicht, sondern beschäftigt sich nur noch mit Erste-Welt-Problemen. Von ihren bösen Spiegelbildern in ihre Gemütlichkeit gestört, offenbart sich, dass ihre selbstverständlichen Privilegien auf die Ausbeutung sozial Niedrigeren beruhen. Und diese Erniedrigten schlagen jetzt zurück…
Logisch und rational erzählt Peel diese Geschichte nicht. Voll gepackt mit Symbolik bietet „Us“ viel Spielraum für Interpretationen. Aber leider traut der Autor und Regisseur seinem eigenen Konzept nicht. Er lässt den Zuschauer nicht selbständig den Film erkunden. Das Abgründige seines Horrors weicht er mit Comedy-Sketchen auf, damit es für die breite Masse auch bloß nicht zu unangenehm wird. Zum Ende hin muss dann noch ein ätzend-dämlicher Erklärbär im Film auftreten, der als monologisierender Bösewicht dem Publikum lückenhafte Hintergrundinformationen gibt. Noch plumper ist der dann folgende Mega-Twist, der die politisch provokante Aussage ad absurdum führt und somit das Publikum komplett verarscht.
Ohne Frage ist Jordan Peele ein enorm kreativer und mutiger Filmemacher. Er kann Genre-Kunst zitatenreich choreographieren, ironisch unterlaufen und ikonische Bilder erschaffen. Für mich ist „US“ somit auch mehr eine visuelle, weniger eine intellektuelle Erfahrung. Es gibt famose Einzelsequenzen, in seiner Gesamtheit funktioniert der Film aber weder als konsequenter Horrorfilm, noch als konsequente Satire auf den amerikanischen Traum, wo die Zurückgelassen zurückschlagen. Mit etwas Abstand betrachtet bietet „Us“ eine fast schon wahllose Überfüllung an Interpretationsmöglichkeiten, Ideen und filmischen Symbolen, die wie ein ehrgeiziger Entwurf wirken, aber wegen der fehlerhaften Struktur nicht miteinander verbunden sind.
Hübscher Horrorfilm als Denkübung. (Oliver Pompejus)