UNE JEUNESSE ALLEMANDE - EINE DEUTSCHE JUGEND
Film-Nr.: 15195
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Genre: Dokumentarfilme
Genre: Gesellschaft
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UNE JEUNESSE ALLEMANDE - EINE DEUTSCHE JUGEND

UNE JEUNESSE ALLEMANDE (Originaltitel)

Deutschland, Frankreich, Schweiz - 2015

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Jean-Gabriel Périot
Drehbuch: Jean-Gabriel Périot, Pierre Hodgson, Anne Steiner, Nicole Brenez, Anna Paschetta

Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 93 Min.
Bildformat: 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1
Features: Trailer

Die jahrelange Recherche, die Périot in der Vorbereitung dieses Films auf das Sichten auch entlegeneren Film- und Fernsehmaterials verwendet hat, sieht man der unglaublich dicht gewobenen, immer wieder einmal ausgesprochen klug montierten Bild- und Toncollage an, mit der der Franzose vor dem Hintergrund einer in den sechziger Jahren gegen die versteinerten Verhältnisse aufbegehrenden deutschen Jugend die Radikalisierung einiger junger Leute nachzuzeichnen versucht, die den Kern der Baader-Meinhof-Gruppe bilden sollten. Ob sich Zuschauern, die wenig mit dem ganzen RAF-Komplex anzufangen wissen oder mit den Entwicklungen des 'roten Jahrzehnts' (Gerd Koenen) nicht so vertraut sind, immer erschließt, was man da gerade sieht und hört, bleibt trotz der schlicht chronologischen Abfolge der gezeigten (aber durchgehend unkommentierten) Geschehnisse fraglich, ist aber vielleicht auch nicht gar so wichtig: Périot läßt anfangs den Godard der Mitt-Sechziger die Frage aufwerfen, ob die Deutschen nach den Schrecken der Nazi-Vergangenheit wohl in der Lage wären, neue Bilder zu finden, und der Krieg der Bilder, den die Studenten - und zwar nicht zuletzt jene der von Willy Brandt hoffnungsfroh eröffneten dffb-Filmhochschule, zu denen etwa ein Harun Farocki, aber eben auch ein Holger Meins gehörte - gegen die auf nüchtern und unparteiisch getrimmten offiziellen Fernsehbilder der jungen Republik anzuzetteln versuchen, scheint denn auch das eigentliche Thema der in keiner Sekunde langweiligen, schon der verwendeten Filmausschnitte wegen hochinteressanten Studie. Gerade aus den filmischen Pamphleten der dffb-Linken wird reichlich hergezeigt, was sonst eher ungenutzt ausgelassen wird (Gerd Conradts STARBUCK über Holger Meins mag man als Ausnahme anführen), obwohl gerade aus der Reibung der völlig anderen Perspektiven erst, die die Fernsehberichterstattung und die häufig sehr luzide argumentierenden Revoluzzer im Kamerablick auf ein und dieselbe Gegenwart abgewinnen, der politische Zündstoff Feuer zu fangen beginnt?
Als Versuch einer Erklärung des Phänomens RAF vielleicht nicht immer erhellend - da mag ein Film wie Veiels BLACK BOX BRD lehrreicher, auch fragender geraten sein -, aber als Blick zurück auf eine immer noch nicht wirklich Vergangenheit gewordene Zeit enorm faszinierend! (Stefan Nottelmann)