AUFBRUCH ZUM MOND
Film-Nr.: 30330
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Genre: Drama
Genre: Historie / Kostüm
Genre: Biopic (Portraits)
Genre: Toptitel
Genre: Neuheiten
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AUFBRUCH ZUM MOND

FIRST MAN (Originaltitel)

USA, Kanada - 2018

Blu-ray - Code B - HD 1080p

Regie: Damien Chazelle
Darsteller: Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke, Kyle Chandler, Corey Stoll, Christopher Abbott
Drehbuch: Josh Singer, James R. Hansen

Sprache: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Türkisch, Hindi
Laufzeit: 141 Min.
Bildformat: 2.39:1
Tonformat: Dolby Digital 7.1
Features: Unveröffentlichte Szenen; Audiokommentar von Regisseur, Autor und Cutter; diverse Featurettes

Wie Regiewunderkind Damien Chazelle mit erstaunlicher Dringlichkeit, zwischen Rohheit und Intimität, die Raumflüge in Szene setzt, ist brillant. Der Weg zum Mond knarrt und knattert, die fragile Technologie ist ein klaustrophobisches Erlebnis. Diese Enge, diese Nähe steht allerdings im krassen Kontrast zu dem Einblick in das Innere seines Protagonisten. Chazelle wollte offensichtlich keinen mythischen Helden erschaffen, sondern sich mit Bewunderung und Demut dem Menschen Neil Armstrong nähern. Er bleibt aber auf halber Strecke in nostalgischer Verklärung stecken.
Themen, wie die Frau hinter dem Helden, die seine Bestrebungen unterstützt, die technischen, finanziellen und politischen Ambitionen, die dieses männliche Machtsymbol ermöglichten, die zahlreichen Opfer werden eher am Rande angesprochen, kaum hinterfragt. Es geht um eine innere Heldenreise. Wie ein Mensch die Tragödie des frühen Verlustes seiner Tochter verarbeitet. Das Himmelfahrtskommando zum Mond als Erlösungsphantasie. Der größte Erfolg der Menschheit als größter Erfolg des leidenden Mannes. Das Kalte-Krieg-Weltraumrennen als kalter Krieg mit sich selbst.
Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Frustrierend-leblos, mit unnachgiebigen Stoizismus, zur Arbeit gehen. Gefühle, Trauer, Gesprächsbereitschaft kann er nicht zeigen, er weint nur, wenn keiner zuschaut. Das hat schon etwas Tragisches, wie hier Kompensation als heldenhafte Arbeit dargestellt wird. Ryan Gosling spielt Armstrong mit einer enormen Verinnerlichung, die an einen Autisten erinnert. Hinter dem Bernhardiner-Blick soll emotionale Tiefe suggeriert werden. Ich habe aber nur eine versteinerte Gesichtsmaske gesehen, die bei mir selten so was wie Empathie erzeugt hat. Ich wollte den Typen ständig anbrüllen, daß er Therapie machen soll, daß er mit seiner Frau, seinen Freunden, seinen Kindern reden soll.
Das anachronistische Männerbild des einsamen Wolfes, der insgeheim leidet, ist mir fremd. Leider wurde diese Männlichkeit für mich nicht genügend reflektiert, sondern letztlich abgefeiert, weil, so suggeriert der Film, sie als innerer Motor für Heldentaten scheinbar notwendig ist. (Oliver Pompejus)