FACES PLACES
Film-Nr.: 16305
auf Facebook teilen
Genre: Dokumentarfilme
Genre: Toptitel
Genre: Neuheiten
zurück

FACES PLACES

VISAGES VILLAGES (Originaltitel)

AUGENBLICKE: GESICHTER EINER REISE (Alternativtitel)

Frankreich - 2017

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Agnès Varda, JR
Darsteller: Agnès Varda, JR
Drehbuch: Agnès Varda, JR

Sprache: Französisch
Untertitel: Englisch
Laufzeit: 89 Min.
Bildformat: 1.85:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0, Stereo
Features: Intro mit Agnès Varda und JR; Interview; diverse Featurettes; Trailer

„Augenblicke: Gesichter einer Reise“ ist ein gelungener Film darüber, dass es zu viele Bilder gibt. Die Kollaboration des „ungleichen Paars“ JR und Agnès Varda – er Street Artist, sie Nouvelle-Vague-Größe – fußt auf der fixen Idee, in die französische Provinz zu fahren, dort die Menschen zu fotografieren und deren Umgebung anschließend mit überlebensgroßen Drucken der entstandenen Bilder zu tapezieren. Den vermeintlichen Anspruch, sich für den Provinzler, den kleinen Mann, den Arbeiter, den Abgehängten zu interessieren, ihn per Dokumentarfilm und Foto gleich zweifach zu Repräsentation zu verhelfen, desavourieren JR und Agnès Varda schnell selbst als Schutzbehauptung, hinter der sich eitles Desinteresse verbirgt.
Die beiden erkennen in den Menschen, die sie vorfinden, allein Rohstoff für ihre Bilder, zwängen sie in verfallenden Straßenzügen ehemaliger Bergarbeiterstädte in PR-Posen, damit sie für die ihre blinde Bilderwut verwertbar werden; erhöhen die Brennweite, um die dezimierte Belegschaft einer Fabrik noch mit fröhlich erhobenen Armen ins Bild zu setzen. Die Filmkamera, klebt an den beiden Protagonisten und ihren gestellten Mätzchen, während deren Kamera wiederum auf der Suche nach ebenso konsumerablen Albernheiten ist. Die selbstzufriedene, umstandsvergessene Herablassung der beiden ist spektakulär. Ihre stereotypisierende Ignoranz gegenüber ihren Motiven hochaktuell und gefährlich.
Bei den Bildern, die die beiden machen, und bei „Augenblicke: Gesichter einer Reise“ selbst geht es im doppelten Sinne um Ausdruck statt um Repräsentation. Der Film interessiert sich konsequent nur für die dekontextualisierende Vorderseite der Bilder und die verblendete Selbstzufriedenheit ihrer Macher. Auf der Ebene der Form erweist sich die Wahrheit der Fotos: Als der Nachweis eines fremden Narzissmus überdecken die riesengroßen Drucke die Realität der Menschen, die sie zeigen. (Alexander Scholz)