DER JUNGE KARL MARX
Film-Nr.: 15843
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Genre: Drama
Genre: Historie / Kostüm
Genre: Biopic (Portraits)
Genre: Toptitel
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DER JUNGE KARL MARX

DER JUNGE KARL MARX (Originaltitel)

Deutschland, Frankreich, Belgien - 2017

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Raoul Peck
Darsteller: August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps, Olivier Gourmet, Hannah Steele, Alexander Scheer
Drehbuch: Raoul Peck, Pascal Bonitzer, Pierre Hodgson

Sprache: Deutsch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 113 Min.
Bildformat: 2.35:1, anamorph
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Hörfassung; Interviews

2018 steht ein prestigeträchtiges Jubiläum an: Vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren, ohne dessen ökonomische und geschichtsphilosophische Theorien, die in der These vom Klassenkampf als geheimem Motor der Weltgeschichte gipfeln, die Welt zweifellos eine andere wäre. Grund genug auch filmisch einige Schlaglichter auf diese monumentale Figur zu werfen; und Raoul Peck, Anfang der Neunziger mit einer heute berühmten Doku über Patrice Lumumba hervorgetreten, aber auch durch Filme über seine Heimat Haiti namhafter Vertreter eines ausgesprochen politischen Kinos, scheint wie der richtige Mann dafür (zumal mit Pascal Bonitzer ein Autor mit am Drehbuch saß, der schon für Rivette und Techiné geschrieben hat)…
Das Resultat muß gemessen an solchen Erwartungen in seiner doch sehr biederen Kostümdramen-Konventionalität enttäuschen, krankt allerdings wie schon etwa die BioPics LOU ANDREAS-SALOMÉ, MARIE CURIE oder PAULA an der generellen Schwierigkeit genuin Theoretisches oder sonstwie Abstraktes in Bilder zu übersetzen. Immerhin haben Peck/Bonitzer darin wohl einen guten Griff getan sich nicht so sehr an jene Werke gehalten zu haben, die Marxens Ruhm als bedeutendem Denker begründen, sondern an den persönlicher gehaltenen Briefwechsel von Marx und Engels. Und um ihrer beider Kennenlernen und beginnende Freundschaft dreht sich denn der Filmplot ganz wesentlich (wie denn auch die Liebesbeziehung zur Aristokratin Jenny eine wichtige Rolle spielt), dabei die Zeit im Pariser, dann im Brüsseler Exil fokussierend, die schließlich in der Abfassung des Kommunistischen Manifests gipfelt. Diehl und Konarske dabei zuzusehen, wie sie ihren Figuren eine charmante Verschmitztheit und ein bohèmehaftes Draufgängertum verleihen, macht Spaß, in manch einer Szene (das Treffen mit Proudhon; der Bund der Gerechten) gelingt es der Inszenierung, das steife Verhalten als historisches Relikt und nicht als Regie-Schwäche vorzuführen... aber alles in allem muß man staunen, wie die erwartbar einfließenden Zitate trotz filmisch dröger Historienmalerei ihre sozialrevolutionäre Frische unvermindert bewahren; und der Abspann gelingt dann doch fulminant. (Stefan Nottelmann)