MODERATO CANTABILE
Film-Nr.: 15755
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Genre: Drama
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MODERATO CANTABILE

MODERATO CANTABILE (Originaltitel)

STUNDEN VOLLER ZÄRTLICHKEIT (Alternativtitel)

Frankreich, Italien - 1960

DVD - Code 0 - PAL

Regie: Peter Brook
Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Jeanne Moreau, Pascale de Boysson, Jean Deschamps, Didier Haudepin, Colette Régis
Drehbuch: Marguerite Duras, Gérard Jarlot

Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Laufzeit: 90 Min.
Bildformat: 2.35:1, anamorph
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Features: Trailer, Bildergalerie

Marguerite Duras, selber mit einer ganzen Reihe von Filmen hervorgetreten (die man getrost als `schwierig´ bezeichnen darf), ist Filmliebhabern am ehesten wohl als Drehbuchautorin für Alain Resnais (HIROSHIMA MON AMOUR) bekannt. Den Kino-Mainstream nach heutigem Maßstab hat wohl nur die Adaption ihres autobiographisch gehaltenen Romans L´AMANT durch Jean-Jacques Annaud einigermaßen erreichen können. Mit MODERATO CANTABILE liegt nun eine (optisch und tontechnisch auf dieser DVD sehr respektabel dargebotene) frühe Verfilmung der großen Schriftstellerin vor unter der Regie eines schon damals gefeierten Theatermannes (nur wenige Jahre später mit LORD OF THE FLIES die bis heute wohl klassische Filmversion der William Golding-Vorlage liefernd): Die Gattin eines gut betuchten Unternehmers fristet ein Dasein im goldenen Käfig, wird neugierig, als sie am Tatort eines Mords aus Leidenschaft einen Arbeiter erblickt, auf den sie ein Auge wirft, und läßt sich auf eine Affäre ein, die sie der alltäglichen Tristesse im kleinen Küstenstädtchen entreißen könnte...
Die Rolle der bei allem Wohlstand zutiefst unglücklichen Ehefrau auf der Suche nach nicht mehr gekannter Leidenschaft und Erotik ist der Moreau geradezu auf den Leib geschrieben - man muß nur an Antonionis LA NOTTE denken, aber auch LES AMANTS von Louis Malle, der im Grundriß der Konstellation in MODERATO CANTABILE sehr vergleichbar ist; Vereinsamung, Bedrücktheit, Langeweile zeichnen sich in Moreaus Mienenspiel und Haltung sehr eindrücklich ab... Aber auch ein noch junger Belmondo fällt angenehm durch eine überraschend zurückgenommene Darstellung des Arbeits auf, der einen möglichen Tathergang fabuliert, um für stets neuen Gesprächsstoff sorgen zu können. - Als Film in seinen stimmungsvollen, dabei präzise beobachtenden Kamerafahrten durchaus manchem Nouvelle Vague-Werk nahe, nehmen sich die Dialoge und die konzentrierte Langsamkeit des Erzählens ausgesprochen literarisch aus und weisen eher in Richtung der Pariser `Rive gauche´ mit ihrer Affinität zum Kunst- und Essayfilm... - Eine schöne und wichtige Ergänzung des so reichen Filmkanons um 1960 herum! (Stefan Nottelmann)