MICHAEL KOHLHAAS
Film-Nr.: 14612
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Genre: Drama
Genre: Historie / Kostüm
Genre: Literatur
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MICHAEL KOHLHAAS

MICHAEL KOHLHAAS (Originaltitel)

Deutschland, Frankreich - 2013

DVD - Code 2 - PAL

Regie: Arnaud des Pallières
Darsteller: Mads Mikkelsen, Mélusine Mayance, Delphine Chuillot, David Kross, Bruno Ganz, Denis Lavant
Drehbuch: Christelle Berthevas, Arnaud des Pallières

Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Laufzeit: 117 Min.
Bildformat: 2.35:1, anamorph
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Features: Interview mit Mads Mikkelsen und Regisseur Arnaud des Pallières, Trailer

Wie schon Andrea Arnolds WUTHERING HEIGHTS (nach dem Roman der Emily Brontë), der sich mehr und mehr als Wasserscheide für einen neuen filmischen Naturalismus erweist und auch in MICHAEL KOHLHAAS seine Spuren hinterlassen hat, scheint auch Arnaud des Pallières nicht so sehr daran interessiert, mit seinem "frei nach der Novelle von Heinrich von Kleist" gestalteten Film der Vorlage als einem Meisterwerk der Sprachkunst gerecht zu werden; im Gegenteil: das Drehbuch hat die Dialogpartien auf das Allernötigste zusammengestrichen, um Raum zu gewinnen für eine auf rein filmische Eindrücke setzende, betont unliterarische Inszenierung - die denn in ihrer spröden Schönheit auch sehr zu beeindrucken vermag. Mit der Verlegung der Geschichte vom Pferdezüchter und -händler Michael Kohlhaas, der mit einer Unerbittlichkeit sondergleichen nicht eher Ruhe gibt, als bis das ihm zugefügte Unrecht als solches benannt und gesühnt, ihm selber Wiedergutmachung widerfahren ist, in die karge, weite Hügel- und Gebirgslandschaft der französischen Cevennen gewinnt das Ganze tatsächlich die Anmutung eines Westerns in einer wohl ganz bewußt vage gehaltenen frühen Neuzeit. (Und wirklich hatte John Badham bereits 1999 mit THE JACK BULL den Kleist?schen Stoff als Western aufbereitet.) Was das Drehbuch den Protagonisten an zurückhaltend-knapper Äußerung auferlegt - über weite Passagen verstummen die wie versteinerten Mienen ganz; auch Mads Mikkelsen ist zwar toll anzusehen, hat aber nur selten einmal Gelegenheit schauspielerisch zu glänzen -, läßt die übrigen Geräusche auf der reichen Tonspur - schlagende Winde, blökende Esel, markerschütternd quietschende Ferkel? - umso schroffer hervortreten und verleiht dem ohnehin unzimperlichen Geschehen eine von jedem Sentiment befreite Archaik. Die (wie schon bei Arnold) planmäßig ausgeschaltete psychologische Deutung der Figuren mag man als Spannungslosigkeit bemängeln; aber die Konsequenz, mit der sich die Ereignisse schwerfällig, aber auch unaufhaltsam voranwälzen, ist von eigenem Reiz? Ein überraschend gelungener Film für wolkenverhangene Abende, der im Verzicht auf alle Schauwerte mehr mit Bressons LANCELOT DU LAC als mit gängigen Historienschinken zu tun hat und in der schlichten Schönheit der Kostüme an L?ANNONCE FAITE À MARIE von Alain Cuny erinnert. (Stefan Nottelmann)
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